4,27 Kilo.
Das ist keine Zahl, das ist ein Schlag ins Gesicht. So viel Essen fliegt jeden verdammten Tag in die Mülltonnen dieser fetten Zivilisation. Für jeden einzelnen Hungernden auf diesem Planeten. Nicht zusammengezählt, nicht symbolisch, nicht „statistisch“, sondern pro Hungerkopf, und pro Tag.
Wir könnten den Welthunger zweimal beenden. Aber wir tuns nicht. Wir schieben die Schuld auf „schlechte Böden“, auf „Klimawandel“, auf „ineffiziente Strukturen“. Das ist Bullshit. Der Planet produziert genug. Nur wir produzieren die falschen Dinge: Ausreden, Abfälle, Alibi-Kampagnen.
Hunger ist kein Naturgesetz. Hunger ist der Auspuff der Profitmaschine. Ein Drittel der Ackerfläche stopfen wir Viechern in den Rachen, damit wir Burger fressen können, während in Nairobi, Kalkutta oder Aleppo Kinder ihre Mütter anstarren, weil sie nichts im Magen haben außer Staub und Verzweiflung. Das ist keine Tragödie. Das ist unser dreckiges System. Und wir sind die Zahnräder.
Die Menschheit ist nicht unterernährt, sie ist moralisch verfettet. Vom Arsch bis zum Kopf. Wir füllen Kühlschränke bis zum Abkotzen und lassen Bananen schwarz werden, weil die neuen im Angebot waren. Wir kaufen fünf Sorten Joghurt, weil sie „mit Liebe gemacht“ sind, und schmeißen sie weg, wenn das Datum abläuft. Weil Liebe ein Mindesthaltbarkeitsdatum hat.
Und irgendwo da draußen verhungert jemand, weil unsere Bequemlichkeit schneller verdirbt als unser Essen.
Marie-Antoinette soll gesagt haben: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen.“ Heute ist der Satz Realität. Nur dass die Königin diesmal nicht auf einem Thron sitzt, sondern auf einem Einkaufswagen voller Sonderangebote.
Wir, die Satten, die Zynischen, die Selbstgerechten. Wir sind die neuen Ludwigs und Mariechen. Wir sind Aristokratie. Und die Guillotine wartet. Sie ist aus Plastikmüll.
Hunger ist kein Problem der Flächen. Es ist ein Problem des Hohlraums zwischen den Ohren.
4,27 Kilo gutes Essen. Jeden Tag. Die Erde produziert genug, um alle satt zu machen. Aber der satte Drecksmensch ist gierig, bequem, blind.
Die Welt hungert nicht, weil sie muss. Sie hungert, weil wir andere hungern lassen können. Und weil wir’s nicht lassen wollen.