Es war Sommer 2006, die Luft roch nach Benzin, Schweiß und billigem Erfolg. Eine Corvette rollte auf den Hof, glänzend wie eine falsche Verheißung. Der Fahrer trug Sonnenbrille, Goldkette, Parfum und das Grinsen eines Mannes, der glaubt, die Welt liege ihm zu Füßen … zumindest die, die er pro Stunde vermietet.
Er wollte eine Webseite. Werbung. Klicks. Sichtbarkeit. Ich sollte ihm das Tor zur digitalen Hölle aufstoßen. Ich fragte mich: „Bin ich bereit, bei etwas zu helfen, unter dem andere Menschen leiden könnten?“
Die Antwort kam aus dem Bauch, nicht aus dem Kopf. Ich lehnte ab.
Damals dachte ich, es sei nur ein kleiner moralischer Sieg, ein sauberer Moment im schmutzigen Alltag. Heute weiß ich: das war meine erste Begegnung mit Gott. Nicht mit dem biblischen Typen, sondern mit der Idee dahinter: dem Drang, etwas zu erschaffen, das größer ist als man selbst.
Der Goldkettchenträger wollte Geld.
Gott will alles.
Der eine will Körper, der andere will Seelen.
Beide versprechen Erlösung, beide leben vom Glauben.
Nur: der Stundenhotelier vergeht.
Die Gottesidee bleibt. Sie frisst Wahrheit, spuckt Dogma, wächst über Generationen wie ein Schimmelpilz aus Moral und Macht.
Und wieder stelle ich mir die Frage:
„Bin ich bereit, dass Menschen unter meiner Schöpfung leiden könnten … und trotz allem weiter an sie glauben?“
Ich sehe die Corvette noch immer vom Hof rollen.
In ihrem Rücklicht verschwindet der Zuhälter, und ein Gott, den ich nie haben wollte.