Du stehst im Supermarkt, umzingelt von gesundem Schein. „Light“, „fit“, „Bio“, „vegan“. Das klingt nach Yoga auf der Zunge, ist aber oft Junkfood im Tarnanzug. Da lacht die Marketingabteilung, während dein Blutzucker Achterbahn fährt. Der „Bio-Snack“ mit 20 Gramm Zucker pro 100 Gramm ist kein Heilmittel, sondern eine Wellnesslüge im grünen Kleid.
Die Ampel, also die NutriScore-Ampel, hätte Licht ins Dunkel gebracht. Grün gut, rot böse, fertig. Aber 2019 hat die Landwirtschaftsministerin den Stecker gezogen. Lobby first, Gesundheit später.
Dann kommt der Alltag. Stress, Zeitmangel, Bequemlichkeit … das unheilige Dreigestirn der Currywurstkultur. In der Mittagspause reicht’s für „Pommes Schranke“ mit Coke oder Pils, abends wartet die TK-Pizza im Ofen, weil Kochen jetzt echt too much wäre. Willkommen im Convenience-Koma.
Dabei könnte man Work-Life-Balance einfach upgraden: zu Work-Life-Eat-Balance. Eine Welt, in der Unternehmen Kochkurse anbieten statt Kickertische, Kantinen mit echtem Gemüse statt Tiefkühlfutter. Aber das klingt wohl zu sehr nach Zukunft.
Und dann die Ernährungstrends: Butter war böse, dann gut, dann wieder böse. Eier galten als Cholesterinbomben, heute sind sie fast Superfood. Kaffee? Früher Herzinfarkt, heute Antioxidantien-Party. Die Wahrheit ändert sich wie der Algorithmus auf TikTok, ständig und undurchsichtig.
Bleibt noch das alte Spiel von Angebot und Nachfrage. Wer in einem Stadtteil lebt, in dem der Döner günstiger ist als eine Paprika, hat beim Kampf um gesunde Ernährung schlechte Karten. Das Wissen über Saisonalität und Zubereitung? Liegt irgendwo zwischen „Zuckerfrei-Challenge“ und „Netflix-Marathon“.
Gesunde Ernährung? Möglich. Aber sie braucht Zeit, Wissen, Geld, und vielleicht ein bisschen Rebellion gegen Etiketten, die uns für dumm verkaufen wollen.